Jane Street wegen Insiderhandels beschuldigt – Kommt die Wahrheit hinter dem LUNA-Crash ans Licht?

Märkte
Aktualisiert: 25.02.2026 10:45

Im Februar 2026, nach fast vier Jahren relativer Ruhe, wurde der Kryptomarkt durch eine Klage erschüttert, die die Debatte innerhalb der Branche neu entfachte. Jane Street, einer der weltweit geheimnisvollsten und profitabelsten Quant-Trading-Giganten, wurde offiziell des Insiderhandels beschuldigt und als Schlüsselfigur hinter dem 40-Milliarden-Dollar-LUNA-Zusammenbruch im Jahr 2022 benannt. Diese Klage legte nicht nur die zwiespältige Rolle von Market Makern offen – mal stabilisierend, mal räuberisch –, sondern zwang die Branche auch, eine grundlegende Frage neu zu überdenken: Wer kontrolliert im Kryptomarkt tatsächlich die Preisfindung?

Die undurchsichtigen Geschäfte eines Handelsriesen: Jane Streets „Geheime Gruppenchat"

Laut einer Klageschrift, die der Insolvenzverwalter von Terraform Labs, Todd Snyder, am 23. Februar 2026 beim Bundesgericht in Manhattan einreichte, wurde Jane Street beschuldigt, nicht-öffentliche Informationen genutzt zu haben, um Trades vorwegzunehmen und so den Zusammenbruch des Terra-Ökosystems zu beschleunigen.

Die Klage brachte einen privaten Gruppenchat mit dem Namen „Bryce’s Secret" ans Licht. Bryce Pratt, ein Mitarbeiter von Jane Street und ehemaliger Praktikant bei Terraform, nutzte frühere Kontakte, um einen verdeckten Kommunikationskanal zu ehemaligen Kollegen aufzubauen. Über diese „Hintertüren" erhielt Jane Street Zugang zu entscheidenden, nicht-öffentlichen Finanzinformationen von Terraform.

Der Wendepunkt kam am 07. Mai 2022. Um 17:44 Uhr zog Terraform Labs 150 Millionen UST ohne öffentliche Ankündigung aus Curves 3pool ab. Nur zehn Minuten später folgte eine angeblich mit Jane Street verbundene Wallet und zog 85 Millionen UST ab – die größte Einzelrücknahme in der Geschichte des Pools. Dieser Schritt wurde als Marktmanipulation auf Basis von Insiderinformationen angeklagt und löste unmittelbar eine Verkaufswelle bei UST aus, die den Kurs innerhalb weniger Tage auf 0,42 US-Dollar drückte, während LUNA nahezu wertlos wurde.

Die „Erbsünde" der Geldmaschinen: Von Jump zu Jane Street – wachsende Verdachtsmomente

Jane Street war nicht der einzige Gigant unter Beobachtung. Bereits zwei Monate zuvor hatte der Liquidator von Terraform eine 4-Milliarden-Dollar-Klage gegen einen weiteren Hochfrequenzhandelsriesen, Jump Trading, eingereicht. Die Klageschrift warf Jump vor, heimlich eingegriffen und UST während der ersten Entkopplung 2021 gestützt zu haben, indem mehr als 61 Millionen LUNA-Token zum Schnäppchenpreis von 0,40 US-Dollar pro Stück erworben und später etwa 1,28 Milliarden Dollar Gewinn erzielt wurden. Am Vorabend des Zusammenbruchs 2022 soll Terraform zudem fast 50.000 Bitcoin (damals rund 1,5 Milliarden Dollar wert) an Jump für „Marktunterstützung" transferiert haben – das Schicksal dieser Bitcoins ist bis heute ungeklärt.

Damit rückten Jane Street und Jump Trading als die beiden Hauptakteure des Finanzdramas in den Fokus. Interessanterweise deutete die Klage an, dass ein Teil der Insiderinformationen von Jane Street direkt über Kanäle von Jump weitergegeben wurde, wodurch sich die Interessen beider Giganten im Trümmerfeld von Terra verflochten.

Der aktuelle Stand von LUNA und UST: Spurensuche im Jahr 2026

Springen wir zum 25. Februar 2026: Das Terra Classic-Ökosystem kämpft weiterhin um Erholung. Laut aktuellen Daten von Gates Handelsplattform gilt:

  • LUNC (Terra Classic) notiert derzeit bei etwa 0,0000355 US-Dollar, das 24-Stunden-Handelsvolumen liegt im zweistelligen Millionenbereich. Trotz einer leichten Erholung seit dem Crash ist das Niveau weit entfernt vom historischen Höchststand von über 116 US-Dollar im April 2022.
  • USTC (TerraClassic USD) wird um 0,0048 US-Dollar gehandelt und hat seine Dollarbindung längst verloren.

Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich die bittere Realität: Zehnstellige Dollarbeträge wurden ausgelöscht.

Die Rolle der Market Maker: Liquiditätsretter oder Raubtiere?

Als Reaktion auf die Vorwürfe des Insiderhandels und der Marktmanipulation erklärte ein Sprecher von Jane Street gegenüber den Medien, die Klage sei „ein verzweifelter Schachzug" und „ein durchschaubarer Versuch, Geld abzugreifen", und betonte, die Verluste der Anleger seien auf den „Milliardenbetrug" von Do Kwon und seinem Team zurückzuführen.

Juristisch hat dieses Argument Gewicht. Do Kwon wurde wegen Anlegerbetrugs verurteilt und zu 15 Jahren Haft verurteilt, während Terraform eine Strafe von 447 Millionen US-Dollar an die SEC zahlte.

Doch die rechtliche Frage nach „Schuld" oder „Unschuld" greift für die moralische Aufarbeitung der Branche zu kurz. Wie ChainCatcher kommentierte: „Wenn ein Gebäude gravierende Konstruktionsfehler hat, ist das Fakt. Aber hat sich beim Einsturz jemand heimlich die wertvollsten Gegenstände geschnappt, bevor die Feuerwehr eintraf?"

Hochfrequenzhändler leben per Definition von Geschwindigkeit und Informationsvorsprung. Als autorisierte Teilnehmer für Bitcoin-ETFs und zentrale Market Maker an führenden Börsen steht Jane Street schon lange für routinemäßige Abverkäufe während der US-Börseneröffnung in der Kritik. Wenn sich dieser Vorteil jedoch von der „Interpretation öffentlicher Daten" hin zur „Ausnutzung nicht-öffentlicher Informationen" verschiebt, wird die Grenze zwischen mathematischer Brillanz und mutmaßlicher Kriminalität gefährlich schmal.

Fazit

Mit On-Chain-Ermittlern wie ZachXBT, die umfassende Recherchen zu den profitabelsten Institutionen der Kryptobranche ankündigen, könnten die Verfahren gegen Jane Street und Jump Trading erst der Anfang sein. Für Privatanleger, die auf Plattformen wie Gate handeln, bleibt dieses Kapitel eine eindringliche Mahnung: In einem Markt, der sich auf Dezentralisierung und Transparenz beruft, verschwindet wahre Asymmetrie nie. Die Algorithmen der Quant-Giganten, die verborgenen Strategien der Market Maker und die Informationen aus „geheimen Gruppenchats" könnten letztlich die Richtung des Marktes bestimmen.

Bis die Wahrheit vollständig ans Licht kommt, bleiben Vorsicht und Respekt vor dem Markt die wichtigste Überlebensregel.

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