MANTA Tokenomics-Überarbeitung: Beendigung des Stakings und Umstellung auf unabhängige Sequencer

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Aktualisiert: 14.05.2026 06:30

Im Mai 2026 hat Manta Network zwei weitreichende Entscheidungen getroffen, die die grundlegende Betriebslogik des Protokolls neu definieren. Erstens wurde das MANTA-Staking-Programm dauerhaft beendet, wodurch die inflationsgetriebenen Staking-Belohnungen eingestellt wurden. Zweitens erfolgte der Übergang zur vollständig eigenständigen Verwaltung der Layer-2-Infrastruktur von Manta Pacific, womit die Abhängigkeit von Drittanbietern entfällt. Beide Maßnahmen sind miteinander verknüpft und weisen auf eine zentrale strategische Ausrichtung hin: den Wandel von einem inflationsgetriebenen Anreizmodell hin zu einem langfristigen Wertkonzept, das auf Netzwerkautonomie und Produktivität des Ökosystems basiert.

Für MANTA-Inhaber ist der Wegfall der Staking-Belohnungen ein unmittelbares Signal. Doch die entscheidende Frage lautet: Mit dem Ende der Erzählung von „passivem Ertrag", wie wird der Mechanismus zur Wertschöpfung von MANTA künftig definiert?

Beendigung des Staking-Programms und Unabhängigkeit des Sequencers

Am 06. Mai 2026 gab Manta Network offiziell das Ende des MANTA-Staking-Programms bekannt. Als Hauptgrund wurde angeführt, dass inflationsbasierte Staking-Belohnungen – durch das Minten neuer Token generiert – den Wert aller gehaltenen MANTA-Token über die Zeit hinweg kontinuierlich verwässern.

In der Umsetzung werden die Staking-Belohnungen zwei Wochen später (20. Mai 2026) offiziell eingestellt. Node-Betreiber können ab sofort jederzeit aussteigen, und Delegierende können über das offizielle Dashboard jederzeit ihre Token entstaken und behalten dabei die volle Kontrolle über ihre Vermögenswerte.

Gleichzeitig verkündete Manta Network eine weitere entscheidende Maßnahme: Die Layer-2-Infrastruktur von Manta Pacific wird künftig eigenständig betrieben, mit einem selbstverwalteten Sequencer und Tech-Stack, um die Netzwerkautonomie zu stärken und die Abläufe zu optimieren. Damit endet die Abhängigkeit von Sequencer-Betreibern Dritter für Manta Pacific und es beginnt eine neue Ära der vollständigen Selbstverwaltung.

Darüber hinaus läuft die zuvor angekündigte Stilllegung von Manta Atlantic (dem L1-Netzwerk auf Basis von Polkadot). Der Parachain-Slot wird voraussichtlich zwischen Ende Juli und Anfang August 2026 auslaufen, woraufhin Atlantic keine Blöcke mehr produzieren wird. Das Team hat klar kommuniziert, dass sämtliche Ressourcen auf Manta Pacific (L2) konzentriert werden und der Slot nicht verlängert wird. Damit vollzieht Manta Network offiziell den Wechsel von einer „Dual-Network"-Strategie hin zu einer fokussierten „Single-Network"-Ausrichtung.

Vom Dual-Network-Ansatz zum Fokus auf ein Netzwerk

Die technische Architektur von Manta Network bestand bislang aus zwei Netzwerken: Manta Atlantic (eine Polkadot-basierte L1-Parachain) und Manta Pacific (eine modulare L2-Lösung auf Ethereum). Beide erfüllten unterschiedliche strategische Zwecke – Atlantic fokussierte sich auf Privatsphäre-Transaktionen im Polkadot-Ökosystem, während Pacific die Entwicklung von ZK-Anwendungen im Ethereum-Ökosystem vorantrieb.

Im vergangenen Jahr hat sich der Fokus des Netzwerks deutlich verschoben. Zu den wichtigsten Meilensteinen zählen:

Datum Ereignis
Januar 2024 TGE von MANTA abgeschlossen, anfänglicher Supply von 251 Millionen Token
11. Januar 2025 TVL von Manta Pacific übersteigt 851 Millionen US-Dollar
29. Januar 2025 TVL von Manta Pacific überschreitet 1,7 Milliarden US-Dollar
04. März 2025 TVL von Manta Pacific erreicht 1,94 Milliarden US-Dollar
11. März 2026 Offizielle Ankündigung der Stilllegung von Manta Atlantic
18. März 2026 Staking-Belohnungen für Atlantic eingestellt, neues Staking nicht mehr möglich
06. Mai 2026 Ankündigung der Beendigung des MANTA-Staking-Programms
20. Mai 2026 Staking-Belohnungen enden offiziell
Ende Juli bis Anfang August 2026 Atlantic-Slot läuft aus, Blockproduktion endet

Diese Chronologie verdeutlicht die strategische Entwicklung von Manta Network: vom anfänglichen Betrieb mit zwei Netzwerken und staking-getriebener Expansion hin zu einem schlanken Fokus auf ein Netzwerk, Inflationskontrolle und autonome Infrastruktur.

Daten- und Strukturanalyse: Aktueller Token-Status und TVL-Trends

Zentrale Kennzahlen des MANTA-Tokens

Stand 14. Mai 2026, laut Gate-Marktdaten, ergeben sich für den MANTA-Token folgende Schlüsseldaten:

  • Aktueller Preis: ~0,08010 US-Dollar
  • Umlaufmenge: ~467,55 Mio. MANTA (Gesamtmenge: 1 Milliarde)
  • Marktkapitalisierung: ~37,44 Millionen US-Dollar
  • 24h Handelsvolumen: ~2,9055 Millionen US-Dollar
  • 24h Kursveränderung: -4,76%
  • 7-Tage Kursveränderung: +17,09%
  • 30-Tage Kursveränderung: +23,83%
  • 1-Jahres Kursveränderung: -74,22%
  • Vollständig verwässerte Marktkapitalisierung: ~80,10 Millionen US-Dollar (basierend auf 1 Milliarde Gesamtmenge)

Token-Allokationsstruktur

Gemäß der veröffentlichten Tokenomics von Manta Network beträgt das Gesamtangebot von MANTA 1 Milliarde, verteilt wie folgt:

  • Ökosystem & Community: 21,19%
  • Foundation Treasury: 13,5%
  • Team: 10%
  • Airdrop Phase 1: 5,6%
  • Airdrop Phase 2 (New Paradigm): 6,5%
  • Jährliche Netzwerk-Inflation (ursprüngliche Quelle der Staking-Belohnungen): 2% des Gesamtangebots

Die jährliche 2%-Inflation wurde bislang für Staking-Belohnungen zur Netzwerksicherung genutzt. Mit der Beendigung des Staking-Programms ist unklar, ob diese 2% jährliche Inflation ebenfalls eingestellt wird, da das Team hierzu keine abschließende Stellungnahme abgegeben hat. Diese Unsicherheit stellt derzeit die größte Informationslücke im Token-Ökonomiemodell von MANTA dar.

Rückblick auf TVL-Trends

Die On-Chain-Aktivität von Manta Pacific hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Am 11. Januar 2025 erreichte die TVL von Manta Pacific 851 Millionen US-Dollar, mit einem 7-Tage-Zuwachs von 27,4% – ein neuer historischer Höchstwert. Am 29. Januar stieg die TVL weiter auf über 1,7 Milliarden US-Dollar, mit mehr als 11,44 Millionen On-Chain-Transaktionen, 537.000 Wallet-Adressen, 519.000 aktiven Adressen und über 1.000 verifizierten Smart Contracts, die von Ökosystemprojekten bereitgestellt wurden. Am 04. März 2025 überschritt die TVL die Marke von 1,94 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 4,15% gegenüber dem Vormonat.

Der TVL-Trend zeigt, dass die On-Chain-Ökonomie von Manta Pacific auf Infrastrukturebene Widerstandsfähigkeit bewiesen hat. Allerdings ist TVL ein nachlaufender Indikator, der die Verteilung von Vermögenswerten widerspiegelt, aber nicht die nachhaltige Entwicklung. Die Auswirkungen der Beendigung des Stakings auf die Bindung von Kapital im Netzwerk müssen durch weitere Daten analysiert werden.

Betrachtet man die historische Kursentwicklung, so entspricht der aktuelle MANTA-Preis von 0,08010 US-Dollar einem Rückgang von über 98% gegenüber dem Allzeithoch von 4,04 US-Dollar (aufgezeichnet am 12. März 2024). Die aktuelle Marktkapitalisierung von etwa 37,44 Millionen US-Dollar stellt eine deutliche Schrumpfung gegenüber früheren Höchstwerten dar. Kurzfristig zeigte MANTA positive Bewegungen, mit Gewinnen von 17,09% in den letzten 7 Tagen und 23,83% in den letzten 30 Tagen, was auf jüngere Kaufaktivitäten hinweist. Über das vergangene Jahr betrachtet, deutet der Rückgang von 74,22% jedoch darauf hin, dass sich der Token weiterhin in einer längeren Phase der Wert-Neubewertung befindet.

Stimmungsbild: Unterstützung, Skepsis und abwartende Haltung

Die Beendigung des Stakings hat drei Hauptperspektiven im Markt ausgelöst.

Langfristig positiv: Inflationskontrolle als richtige Strategie

Befürworter argumentieren, dass inflationsbasierte Staking-Belohnungen im Grunde eine „versteckte Steuer" darstellen – die zusätzlichen Erträge für Staker werden durch die Verwässerung aller nicht-stakenden Inhaber (und sogar der Staker selbst) finanziert. Die Abschaffung dieses Mechanismus bremst das passive Angebotwachstum von MANTA grundlegend und stellt die Knappheit wieder her.

Gleichzeitig bedeutet der Übergang zu einem selbstverwalteten Sequencer, dass Manta Pacific künftig die Kontrolle über die Einnahmen aus Layer-2-Netzwerkgebühren erhält. Im Ethereum-L2-Ökosystem sind Sequencer-Einnahmen ein zentraler wirtschaftlicher Treiber. Mit einem eigenen Sequencer kann Manta Network diesen Wert internisieren und neue Wege zur Wertschöpfung für den Token erschließen.

Kurzfristig negativ: Wegfall passiver Einkünfte für Staker

Skeptiker weisen darauf hin, dass mit dem Ende des Staking-Programms eine passive Einkommensquelle für MANTA-Inhaber entfällt. Für Nutzer, die auf Staking-Erträge gesetzt haben, sinkt die Attraktivität von MANTA als einkommensgenerierende Anlage, was kurzfristig zu Kapitalabflüssen führen könnte.

Zudem werden durch das Entstaken zuvor gesperrte MANTA-Token wieder dem Umlauf zugeführt. Werden diese Token in kurzer Zeit auf dem Sekundärmarkt verkauft, könnte dies zusätzlichen Druck auf den Preis ausüben.

Wesentliche Informationen fehlen: Fazit noch offen

Die abwartende Fraktion betont, dass die wichtigsten Variablen – ob die jährliche 2%-Inflation mit dem Staking eingestellt wird und wie Umfang sowie Verteilungsmechanismus der Sequencer-Einnahmen aussehen – bislang nicht geklärt sind. Daher ist es zu früh, die Maßnahmen eindeutig als positiv oder negativ zu bewerten.

Branchenanalyse: Paradigmenwechsel im L2-Ökonomiemodell

Die strategische Neuausrichtung von Manta Network liefert wertvolle Erkenntnisse für den gesamten Layer-2-Sektor.

L2-Netzwerke stehen vor einem strukturellen Dilemma: Token benötigen Anreizmechanismen, um Nutzer und Liquidität zu gewinnen, doch die Nachhaltigkeit inflationsbasierter Anreize wird stets hinterfragt. Ethereum hat nach dem Merge durch den Burn-Mechanismus von EIP-1559 und eine relativ niedrige Emissionsrate ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erreicht, doch die meisten L2s suchen noch nach einer vergleichbaren Balance.

Der Ansatz von Manta – die Abschaffung inflationsbasierter Anreize und der Übergang zu selbst generierten Sequencer-Einnahmen – eröffnet ein neues Modell für L2-Token-Ökonomien. Die Branche wird dieses Experiment aufmerksam verfolgen: Gelingt es Manta, die On-Chain-Aktivität und den Kapitalbestand auch ohne Inflationsbelohnungen zu halten, wäre dies ein Beleg dafür, dass „Ökosystemwachstum durch echte Netzwerkeinnahmen statt Token-Inflation" funktionieren kann. Fallen die On-Chain-Kennzahlen hingegen deutlich, könnte dies als Warnsignal für die Abhängigkeit von Anreizen gelten.

Für die gesamte Krypto-Branche spiegelt der Fall Manta einen Trend wider: Immer mehr Protokolle bewegen sich von „subventioniertem Wachstum" hin zu „nachhaltigen Einnahmemodellen". Dieser Wandel wird zukünftig maßgeblich beeinflussen, wie Krypto-Projekte bewertet werden – der Fokus verschiebt sich von TVL und Nutzerwachstum hin zu echten Netzwerkeinnahmen und Wertschöpfung.

Fazit

Die Beendigung des Stakings und die Sequencer-Unabhängigkeit durch Manta Network markieren einen strukturellen Wandel im Token-Ökonomiemodell – von „inflationsgetriebenem Wachstum" hin zu „wertbasierter Netzwerkökonomie". Für MANTA-Inhaber ist der Wegfall der Staking-Belohnungen sofort spürbar, doch die entscheidenden Faktoren für eine Bewertung sind, ob die Inflation tatsächlich auf Null sinkt, ob Sequencer-Einnahmen realisiert werden und ob diese Einnahmen an die Token-Inhaber verteilt werden.

Im zunehmend wettbewerbsintensiven Layer-2-Markt des Jahres 2026 sind die Entscheidungen von Manta ein Experiment, das es zu beobachten gilt. Das Protokoll versucht, eine Frage zu beantworten, die die gesamte Branche beschäftigt: Wenn zusätzliche Subventionen wegfallen, worauf gründet sich der wahre Wert eines Tokens?

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