Nach den Marktdaten von Gate lag der Preis des PI-Tokens von Pi Network am 18. Mai 2026 auf der Gate-Plattform bei 0,15415 US-Dollar, was einem Rückgang von 2,80 % in den vergangenen 24 Stunden und einem kumulierten Minus von 79,59 % im Jahresvergleich entspricht. Gleichzeitig treffen zwei gegensätzliche Kräfte aufeinander: Zum einen steht im Mai die massive Freischaltung von etwa 184,5 Millionen PI-Token bevor – die größte Einzel-Freischaltung bis Oktober 2027; zum anderen erfolgt die offizielle Aktivierung von Protokoll 23, wodurch Pi von einem einfachen Mainnet zu einer programmierbaren Layer-1-Blockchain wird und damit Smart Contracts sowie native DEXs ermöglicht. Das direkte Zusammentreffen dieser beiden Faktoren stellt das Marktgleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf eine harte Probe.
Protokoll-23-Start fällt mit größter Freischaltung im Mai zusammen
Das Kernentwicklungsteam von Pi Network setzte den 15. Mai als verbindliche Frist für das Upgrade auf Protokoll 23 – alle Mainnet-Nodes mussten bis zu diesem Datum aktualisiert werden, andernfalls drohte die Trennung vom Netzwerk. Dieses Upgrade stellt den bedeutendsten technischen Sprung seit dem Start des Mainnets dar: Es führt native Smart-Contract-Unterstützung auf Basis von Stellar Core 23 ein und schafft die Grundlage für dezentrale Anwendungen, die native DEX (PiDex) sowie Launchpad. Bis Mitte Mai zählte das Netzwerk über 421.000 aktive Nodes, und mehr als 1 Milliarde PI-Token wurden ins Mainnet migriert. Offiziellen Angaben zufolge haben über 18,1 Millionen Nutzer die native KYC-Verifizierung abgeschlossen und mehr als 16,7 Millionen die Migration ins Mainnet vollzogen.
Doch hinter diesen technischen Meilensteinen verbirgt sich eine weitere Zahlenreihe, die Beachtung verdient. Im Mai werden rund 184,5 Millionen PI-Token freigeschaltet. Zusammen mit dem bereits auf zentralisierten Börsen akkumulierten PI-Angebot zeigen On-Chain-Daten, dass die Börsensalden von PI bis Mitte Mai auf nahezu 540 Millionen Token angestiegen sind – der höchste Stand seit dem Start des Mainnets.
Die Freischaltung von 184,5 Millionen Token und der Start von Protokoll 23 sind unabhängige Ereignisse ohne technischen Kausalzusammenhang. Dennoch bildet ihre Wechselwirkung auf die Markterwartungen den zentralen Ansatzpunkt zum Verständnis der aktuellen Angebots- und Nachfragesituation bei PI.
Vom Höchststand bei 2,98 US-Dollar zum 94%-Rückgang: Die Angebotslogik
Um den aktuellen Angebotsdruck zu verstehen, ist es wichtig, die entscheidenden Meilensteine zwischen dem Start des Pi-Network-Mainnets und Protokoll 23 nachzuvollziehen.
Im Februar 2025 startete Pi Network sein offenes Mainnet und der PI-Token erreichte rasch ein Allzeithoch von etwa 2,98 US-Dollar. Allerdings fehlte es diesem Höchststand an ausreichender Nachfrageunterstützung. In der Folge geriet der Token in einen langanhaltenden Abwärtstrend, der über ein Jahr andauerte; bis März 2026 hatte PI etwa 94 % seines Höchststandes eingebüßt. Im Januar 2026 wurden rund 136 Millionen PI-Token freigeschaltet – die höchste monatliche Freischaltung des Jahres. Im Februar waren es etwa 130 Millionen, im März sank die Zahl auf rund 97 Millionen und im April auf etwa 85 Millionen, wobei sich das Tempo der Freischaltungen anschließend deutlich verlangsamte. Im April 2026 befanden sich etwa 239 Millionen PI im „nächste 30 Tage Freischaltungsfenster", was einen Angebots-Schock auslöste.
Im März 2026 stieg der auf Börsen gehaltene PI-Bestand auf 472 Millionen Token – ein Anstieg um etwa 79,5 % gegenüber 263 Millionen im März 2025 und ein neuer Rekord. Im Mai, mit der Aktivierung von Protokoll 23 und der laufenden Freischaltung von 184,5 Millionen Token, erreichten die Börsensalden nahezu 540 Millionen Token. Über die Zeit hat das Angebotstempo die Entwicklung der Ökosystem-Nachfrage deutlich übertroffen, was zu einer anhaltenden „Angebotsdominanz mit noch zu testender Nachfrage" führte, die bereits über ein Jahr andauert.
Doppelte Perspektive: Börsensalden und Angebotsmechanismen
Anhaltendes Wachstum der Börsensalden
On-Chain-Daten bieten einen direkten Einblick in das sich verändernde Halteverhalten bei PI. Im März 2026 erreichten die auf Börsen gehaltenen PI-Token etwa 472 Millionen, was einem Anstieg von fast 79,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bis Mitte Mai stieg dieser Wert weiter auf nahezu 540 Millionen.
In der Analyse von Krypto-Assets werden steigende Börsensalden in der Regel so interpretiert, dass Inhaber ihre Token lieber auf Plattformen transferieren, auf denen sie sofort handelbar sind – ein Hinweis auf potenziell wachsenden Verkaufsdruck. Setzt sich dieser Trend fort, bedeutet das, dass der tatsächliche Angebotsdruck noch nicht voll zum Tragen gekommen ist – diese knapp 540 Millionen Token stellen einen „Bestandspool" dar, der jederzeit in Verkaufsaufträge umgewandelt werden kann.
Monatlicher Freischaltungsrhythmus und Angebots-Nachfrage-Lücke
Die Freischaltungen im Jahr 2026 folgten dem Muster „dicht zu Jahresbeginn, langsamer im Jahresverlauf". Im Januar wurden etwa 136 Millionen Token freigeschaltet – der Höchstwert des Jahres; im Februar etwa 130 Millionen; im März sank die Zahl auf rund 97 Millionen; im April auf etwa 85 Millionen; und im Mai stieg sie durch das Protokoll-23-Fenster auf 184,5 Millionen. Die Gesamtsumme der Freischaltungen für das Jahr dürfte über 1,2 Milliarden Token liegen, während das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen zwischen 21 und 26 Millionen US-Dollar schwankt – eindeutig zu wenig, um das neue Angebot aufzunehmen. Die Angebots-Nachfrage-Lücke ist somit offensichtlich.
Erwähnenswert ist, dass im April ein „nächste 30 Tage Freischaltungsfenster" von etwa 239 Millionen Token bestand, nicht jedoch eine Einzel-Freischaltung in einem Monat. Die höchste tägliche Freischaltungsdichte wurde Mitte April erreicht.
Verdeckte Restriktionen in der Umlaufstruktur
Bei relativ geringem Handelsvolumen wirkt sich eine große Freischaltung preislich nicht vollständig linear aus. Der Anteil der tatsächlich auf Börsen handelbaren PI-Token liegt bei weniger als 5 % des zirkulierenden Angebots. Dies puffert zwar den direkten Preiseinfluss durch neues Angebot etwas ab, führt aber auch dazu, dass bei temporären Kursanstiegen die Bereitschaft der Inhaber steigt, Token zu transferieren – ein sich selbst regulierender Verkaufsdruckmechanismus.
Die obige Analyse stellt Fakten und daraus abgeleitete Trends dar und ist nicht als Richtungsprognose für die Kursentwicklung von PI zu verstehen.
Unterschiedliche Bewertungsnarrative: Kognitive Uneinigkeit
Die aktuelle Marktbewertung von PI ist klar gespalten und lässt sich in drei typische Ansätze unterteilen.
Vision einer globalen Konsenswährung. Hier lautet das Argument: Über 18,1 Millionen KYC-verifizierte Nutzer können zu Ökosystemteilnehmern werden; Smart Contracts und native DEX durch Protokoll 23 treiben das Anwendungswachstum und machen PI aus einem spekulativen Asset zu einem nutzungsgetriebenen Wirtschaftsnetzwerk, wobei die Nachfrage das Angebot aufnimmt. Dieses Narrativ dominiert seit Langem Teile der Community.
Angebotsgetriebenes Überschussrisiko. Aus dieser Perspektive übersteigt die Freischaltungssumme 2026 die Marke von 1,2 Milliarden Token, was bedeutet, dass monatlich etwa 100 Millionen PI potenziell in Umlauf kommen, während das tägliche Handelsvolumen den Angebotszuwachs nicht decken kann. Wenn Ökosystemhandel und -konsum nicht Schritt halten, bleibt das Angebot preisbestimmend. Der historische Rückgang – PI verlor etwa 94 % gegenüber dem Höchststand von 2,98 US-Dollar – wird als direkter Beleg für das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage angeführt.
Bewertung als Spekulationsobjekt. Dieses Narrativ setzt bei PIs sehr niedrigem Nennwert an und argumentiert mit „kleinen Positionen für überproportionales Community-Wachstum oder große Projekterfolge" – PI wird als günstige Spekulation betrachtet. Dies spiegelt sich in Diskussionen um inoffizielle Bewertungsmodelle wie „31.415,9 US-Dollar pro PI" wider, die eher Community-Storytelling als reale Liquidität oder bestätigte Marktpreisbildung widerspiegeln.
Diese drei Narrative basieren auf unterschiedlichen Interpretationen derselben Daten. Im Kern unterscheiden sie sich in den Erwartungen an die Geschwindigkeit der Ökosystem-Adoption.
Branchenanalyse: Kann Protokoll 23 die Nachfrageseite verändern?
Der entscheidende Faktor bei Protokoll 23 ist, dass erstmals vollständige Smart-Contract-Unterstützung in Pi Network eingeführt wird. Zusammen mit dem Start der nativen DEX (PiDex) und des Launchpads sind damit die technischen Grundvoraussetzungen geschaffen, um als Layer-1-Blockchain externe Entwickler anzuziehen.
Aus Sicht des Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts schafft das Protokoll-Upgrade selbst noch keine Nachfrage. Smart Contracts sind ein technisches Werkzeug – sie bieten „Möglichkeiten", aber kein garantiertes Ergebnis. Erst wenn folgende Bedingungen schrittweise erfüllt werden, kann sich die Nachfragelogik grundlegend ändern:
Erstens müssen Entwickler bereit sein, Anwendungen mit echtem Nutzermehrwert auf Pi Network zu deployen; zweitens muss die große KYC-Nutzerbasis von Pi Network tatsächlich zu Anwendungsnutzern werden und nicht nur aus „registrierten Nutzern" bestehen, die die Migration abgeschlossen haben; drittens muss die native DEX ausreichende Handelstiefe und Liquidität bieten.
Ein wichtiger Branchenvergleich: Pi-Network-Mitgründerin Dr. Chengdiao Fan erklärte auf der Consensus-Konferenz 2026, Token sollten als „Werkzeuge zur Förderung echter Nutzerbindung und Produktwert, nicht als Fundraising-Instrumente" dienen. Dies entspricht der technischen Ausrichtung von Protokoll 23 auf die Anwendungsschicht. Allerdings sind Richtungsgebung und tatsächliche Umsetzung nicht identisch, und konkrete Ergebnisse bleiben abzuwarten.
Bemerkenswert ist zudem, dass das Pi Core Team unmittelbar vor dem Upgrade DApps wie WorldBanksPi – die als Ponzi-Systeme identifiziert wurden – entfernt hat, was über 140.000 Nutzer betraf. Dies signalisiert den Versuch, eine konformere Ökosystembasis zu schaffen, kann aber kurzfristig die Community-Aktivität beeinträchtigen.
Fazit
Nach Gate-Marktdaten lag der PI-Preis am 18. Mai 2026 bei 0,15415 US-Dollar auf Gate, bei einer Marktkapitalisierung von 1,625 Milliarden US-Dollar. Vor dem Hintergrund einer gleichzeitigen Freischaltung von 184,5 Millionen Token und dem Protokoll-23-Upgrade findet ein Wettlauf zwischen Angebotserweiterung und Ökosystementwicklung statt. Protokoll 23 öffnet das Fenster für technische Infrastruktur, doch der Angebotsdruck lässt sich nicht allein durch ein technisches Upgrade entschärfen – es bedarf quantifizierbarer Ökosystemnachfrage, um ihn aufzufangen.
Für Marktteilnehmer ist es entscheidend, nicht kurzfristige Kurse vorherzusagen, sondern marginale Veränderungen auf Angebots- und Nachfrageseite genau zu beobachten: Werden die Börsensalden nach ihrem Anstieg stabil bleiben oder zurückgehen? Werden On-Chain-Anwendungen von „Feature-Launches" zu „echter Nutzung" übergehen? Solche Datenentwicklungen zeigen das tatsächliche Tempo der Angebots-Nachfrage-Neuausrichtung weit besser als jedes Narrativ.




