PYUSD startet auf Polygon: Warum beschleunigt PayPal gerade jetzt seine Multi-Chain-Stablecoin-Strategie?

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Aktualisiert: 10.07.2026 11:41

Am 09. Juli 2026 gab Paxos die native Emission von PayPal USD (PYUSD) auf der Polygon-Blockchain bekannt und bietet damit Dienstleistungen über Polygons Open Money Stack an. Damit ist PYUSD nicht länger auf Cross-Chain-Bridges angewiesen, um auf Polygon zu gelangen; stattdessen prägt Paxos PYUSD nun direkt auf Polygon. Für einen Stablecoin, der im August 2023 debütierte und seitdem auf Ethereum, Solana, Arbitrum sowie Stellar und weiteren Chains eingeführt wurde, stellt diese native Integration mit Polygon einen weiteren bedeutenden Fortschritt in der Multi-Chain-Strategie dar. Angesichts einer Gesamtmarktkapitalisierung des Stablecoin-Marktes von über 310 Milliarden US-Dollar und einem jährlichen Transaktionsvolumen von 33 Billionen US-Dollar verdient diese Entwicklung eine genauere Branchenanalyse.

Was ist der grundlegende Unterschied zwischen nativer Emission und gebridgten Assets?

Der Unterschied zwischen nativer Emission und gebridgten Assets geht weit über technische Details hinaus. Wenn ein Stablecoin über eine Cross-Chain-Bridge auf eine Blockchain gelangt, halten Nutzer tatsächlich eine „Wrapped"-Version des ursprünglichen Assets – ein Derivat-Token, der vom Bridge-Protokoll ausgegeben wird und dessen Wert von der Sicherheit des Bridge-Contracts sowie der Liquiditätspool-Ausstattung abhängt. Native Emission hingegen bedeutet, dass PYUSD direkt von Paxos auf Polygon geprägt wird. In diesem Fall besitzen Inhaber einen bundesrechtlich regulierten USD-Stablecoin, der von einer nationalen Treuhandgesellschaft unter Aufsicht des US Office of the Comptroller of the Currency ausgegeben wird.

Diese Unterscheidung hat konkrete Auswirkungen für Unternehmenskunden. Native Assets eliminieren die Smart-Contract-Risiken, die mit Bridge-Contracts verbunden sind, und beseitigen die Abhängigkeit von Drittanbieter-Protokollen, was eine klarere Verantwortlichkeit bei Compliance-Prüfungen, Asset-Verwahrung und regulatorischem Reporting ermöglicht. Polygon hob diesen Unterschied in seiner Ankündigung hervor: Native Emission bedeutet, dass PYUSD direkt von Paxos auf Polygon geprägt wird – nicht als Wrapped- oder Bridged-Token transferiert. Für Unternehmen, die große grenzüberschreitende Zahlungen abwickeln, wirkt sich dieser Unterschied direkt auf die Asset-Sicherheit und die Nachweisbarkeit der regulatorischen Compliance aus.

Warum wurde Polygon als nächster Schritt in der Multi-Chain-Strategie gewählt?

Die Multi-Chain-Expansion von PYUSD erfolgt nicht zufällig. Jede Chain-Auswahl – von Ethereum über Solana bis hin zu Arbitrum und Stellar – folgt einer klaren strategischen Absicht. Die Entscheidung für Polygon lässt sich aus drei Perspektiven nachvollziehen.

Erstens: Transaktionsvolumen. Laut PayPal hat das Polygon-Netzwerk Stablecoin-Zahlungen im Wert von über 2,6 Billionen US-Dollar abgewickelt, mit täglichen Stablecoin-Transaktionen von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar. Damit gehört Polygon zu den weltweit aktivsten Netzwerken für Stablecoin-Zahlungen. Allein im Mai 2026 verarbeitete Polygon Stablecoin-Transaktionen im Wert von 79,25 Milliarden US-Dollar und führte mit 198 Millionen Stablecoin-Transaktionen alle Blockchains an. Im zweiten Quartal 2026 wickelte die Proof-of-Stake-Chain von Polygon 743 Millionen Transaktionen ab, ein Anstieg von 160 % gegenüber dem Vorjahr.

Zweitens: Infrastruktur-Reife. Open Money Stack vereint Fiat-On/Off-Ramps, Wallet-Infrastruktur, Compliance-Tools, Stablecoin-Orchestrierung und On-Chain-Abwicklung in einer einzigen API. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie Einzüge, grenzüberschreitende Überweisungen und Fiat-Auszahlungen über eine einzige Integration abwickeln können, ohne verschiedene Anbieter kombinieren zu müssen. Die Infrastruktur unterstützt derzeit bis zu 5.000 Zahlungstransaktionen pro Sekunde bei durchschnittlichen Transaktionskosten von etwa 0,002 US-Dollar.

Drittens: Ökosystem-Synergien. Plattformen wie Revolut, Stripe und Flutterwave haben Open Money Stack bereits integriert. Durch die native Integration von PYUSD können Unternehmenskunden dieser Plattformen direkt in PYUSD abrechnen, ohne zusätzliche technische Integration. Dieser Ansatz – „Infrastruktur als Distributionskanal" – macht Polygon zu einem effizienten Zugangspunkt für PYUSD im Unternehmenszahlungsverkehr.

Aktuelle Marktposition von PYUSD und strategische Bedeutung des Polygon-Deployments

Marktdaten zeigen, dass sich das zirkulierende Gesamtangebot von PYUSD im Juli 2026 auf etwa 2,83 Milliarden US-Dollar beläuft, verteilt auf 19 Blockchains. Ethereum hält 64,6 %, Solana 24,7 %, während Polygon derzeit nur etwa 10,13 Millionen US-Dollar – lediglich 0,4 % des Gesamtangebots – ausmacht. Das zeigt deutlich: Bei diesem Deployment steht weniger das aktuelle Transaktionsvolumen im Fokus, sondern vielmehr die zukünftige Verteilung und die Expansion des Ökosystems.

Im Kontext des gesamten Stablecoin-Marktes bleibt der Marktanteil von PYUSD vergleichsweise bescheiden. Tether (USDT) verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 188 Milliarden US-Dollar, USDC über etwa 76,7 Milliarden US-Dollar. Die Marktkapitalisierung von PYUSD ging im ersten Halbjahr 2026 etwas zurück, erholte sich aber zuletzt wieder auf rund 2,83 Milliarden US-Dollar. In einem Markt, der von zwei Giganten dominiert wird, besteht die Strategie von PYUSD nicht darin, um bestehende Transaktionsanteile mit USDT und USDC zu konkurrieren, sondern durch die Erweiterung von Anwendungsfällen und Zahlungsinfrastruktur zusätzliche Nachfrage zu schaffen.

Das ist die strategische Bedeutung des Polygon-Deployments. Das Angebot von PYUSD auf Polygon ist minimal, was das eigentliche Ziel unterstreicht: Nicht die Migration bestehender Liquidität auf eine neue Chain, sondern die Erschließung neuer Zahlungsszenarien und Unternehmens-Workflows, indem man sich mit einem Netzwerk verbindet, das täglich 2,5 Milliarden US-Dollar an Stablecoin-Zahlungen abwickelt.

Wie Open Money Stack das Paradigma der Unternehmensintegration von Zahlungen verändert

Vor der Integration von PYUSD mit Polygon mussten Unternehmen, die Stablecoin-Abwicklung in ihre Zahlungsanwendungen integrieren wollten, meist mehrere Komponenten zusammenstellen: Auswahl eines Tokens auf einer bestimmten Chain, Integration eines Fiat-On-Ramp-Anbieters, Suche nach einem separaten Off-Ramp-Anbieter, Einbindung von Compliance-Tools und Entwicklung von Cross-Chain-Koordination. Diese fragmentierte Anbieterstruktur erhöhte die technische Komplexität, die Betriebskosten und verlängerte die Markteinführungszeit.

Der zentrale Mehrwert von Open Money Stack besteht darin, all diese Fähigkeiten in „eine Integration" zu bündeln. Unternehmen können über eine einheitliche API Zahlungen von Karten, Bankkonten oder Börsenguthaben akzeptieren, PYUSD grenzüberschreitend halten und transferieren und letztlich in Landeswährung auszahlen. Marc Boiron, CEO von Polygon Labs, bringt es auf den Punkt: „Der Wert eines Stablecoins hängt davon ab, wohin er gehen kann und was er dort tun kann."

Aus finanzieller Sicht bietet dieses integrierte Modell drei Hauptvorteile: schnellere Abwicklung, geringere Betriebskosten durch weniger Anbieter und vereinfachte Abstimmung dank End-to-End-Transparenz. Für Gehaltsabrechnungsdienste, grenzüberschreitende E-Commerce-Plattformen, Remittance-Apps und ähnliche Anwendungsfälle senkt diese Integration direkt die Eintrittsbarrieren in den Stablecoin-Zahlungsmarkt.

Wie traditionelle Zahlungsriesen das Stablecoin-Wettbewerbsumfeld neu gestalten

Die Einführung von PYUSD auf Polygon erfolgt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Im ersten Halbjahr 2026 beschleunigen traditionelle Zahlungsinfrastruktur-Anbieter ihren Einstieg in den Stablecoin-Sektor.

Visa hat im April 2026 sein Stablecoin-Settlement-Pilotprojekt auf neun Blockchain-Netzwerke ausgeweitet. Das annualisierte Abwicklungsvolumen erreichte im März 2026 etwa 7 Milliarden US-Dollar. Das Pilotprojekt umfasst mittlerweile mehr als 50 Länder und über 130 Stablecoin-gebundene Kreditkartenprogramme.

Mastercard kündigte im Juni 2026 an, Stablecoin-Abwicklung über sein globales Kartennetzwerk zu unterstützen – explizit einschließlich der von Paxos ausgegebenen Stablecoins PYUSD, USDG, USDP sowie Circles USDC, Ripples RLUSD und SoFis SoFiUSD, und zwar auf Arbitrum, Base, Ethereum, Polygon, Solana und fünf weiteren Blockchains.

Diese Entwicklungen machen deutlich, dass sich Stablecoins von einer Krypto-Asset-Klasse zu einem integralen Bestandteil der Zahlungsinfrastruktur entwickeln. Die etablierten Händlernetzwerke, Nutzerbasen und Abwicklungsvolumina der traditionellen Zahlungsriesen bieten Stablecoins Kanäle, um reale Zahlungsszenarien zu erschließen. Vor diesem Hintergrund baut PYUSD – der proprietäre Stablecoin von PayPal, jetzt unterstützt durch das Settlement-Netzwerk von Mastercard und integriert in Polygons Open Money Stack – ein dreistufiges Zahlungssystem auf: Endkundenseite (PayPals 400 Millionen Konten), Händlerseite (Mastercard-Netzwerk) und On-Chain-Infrastruktur (Polygon).

Die zukünftige Entwicklung von Stablecoin-Multi-Chain-Ökosystemen

Die native Integration von PYUSD mit Polygon ist ein Meilenstein in der Entwicklung von Stablecoin-Multi-Chain-Ökosystemen – jedoch kein Endpunkt. Im größeren Kontext verlagern sich Stablecoin-Deployments von „mehr Chains abdecken" hin zu „tiefgreifender Einbettung in die Zahlungssysteme spezifischer Chains".

Dieser Wandel zeigt sich in zwei Aspekten. Erstens: vom Bridging zur nativen Emission. Immer mehr Stablecoin-Emittenten entscheiden sich dafür, direkt auf Ziel-Chains zu prägen, statt auf Bridges zu setzen. Ripples RLUSD-Expansion auf über 40 Blockchains via Wormhole ist ein Beispiel für diesen Trend. Native Emission bietet gegenüber Bridging-Lösungen überlegene Sicherheit, Compliance und Nutzererfahrung.

Zweitens: von Asset-Emission zur Infrastruktureinbettung. Der Wert eines Stablecoins bemisst sich nicht mehr nur an seiner Marktkapitalisierung, sondern daran, wie viele reale Zahlungsszenarien er bedienen kann. Zahlungsinfrastrukturen wie Open Money Stack ermöglichen es Stablecoins, sich von „handelbaren Assets" zu „programmierbaren Zahlungstools" zu entwickeln.

Für PYUSD wird der eigentliche Test des Polygon-Deployments sein, ob es gelingt, den aktuellen Anteil von 0,4 % am Angebot auf einem Netzwerk mit 2,5 Milliarden US-Dollar täglichen Stablecoin-Abwicklungen signifikant zu steigern. Entscheidend ist, ob Unternehmenskunden bereit sind, PYUSD in grenzüberschreitende Zahlungen, Gehaltsabrechnungen und Händler-Workflows einzubinden. PayPal hat PYUSD im März 2026 auf über 70 globale Märkte ausgeweitet; in Kombination mit Polygons Zahlungsinfrastruktur und Mastercards Settlement-Netzwerk entsteht so ein geschlossenes Ökosystem, das Emission, Settlement und grenzüberschreitende Zahlungen abdeckt.

Fazit

Die native Integration von PYUSD durch PayPal mit dem Polygon-Netzwerk markiert einen Wandel in der Multi-Chain-Strategie von Stablecoins – weg von „breiter Abdeckung" hin zu „tiefer Einbettung". Native Emission bietet grundlegende Vorteile gegenüber gebridgten Assets in Bezug auf Sicherheit, Compliance und Nutzererfahrung. Die täglichen 2,5 Milliarden US-Dollar und kumulierten 2,6 Billionen US-Dollar an Stablecoin-Abwicklungen auf Polygon, kombiniert mit der „One Integration"-Zahlungsinfrastruktur von Open Money Stack, eröffnen PYUSD einen technischen und marktorientierten Zugang zu Unternehmenszahlungsszenarien. Während traditionelle Zahlungsriesen wie Visa und Mastercard ihren Einstieg in den Sektor beschleunigen, baut PYUSD ein Zahlungssystem auf, das Endkunden, Händler und On-Chain-Infrastruktur verbindet. Aktuell beträgt das PYUSD-Angebot auf Polygon nur 0,4 % des Gesamtvolumens – ein Zeichen dafür, dass dieses Deployment auf zukünftige Verteilung und Szenarienexpansion abzielt, nicht auf die Migration bestehender Liquidität. Die nächste Phase des Multi-Chain-Wettbewerbs bei Stablecoins entscheidet sich daran, wer sich am tiefsten in reale Zahlungsworkflows integrieren kann.

FAQ

F: Wird PYUSD auf Polygon nativ emittiert oder gebridgt?

PYUSD auf Polygon wird nativ emittiert, also direkt von Paxos auf der Polygon-Blockchain geprägt – nicht als Wrapped-Token über eine Cross-Chain-Bridge transferiert.

F: Wie hoch ist das aktuelle Gesamtangebot von PYUSD?

Im Juli 2026 beträgt das zirkulierende Gesamtangebot von PYUSD etwa 2,83 Milliarden US-Dollar, verteilt auf 19 Blockchains.

F: Wie groß ist das Stablecoin-Abwicklungsvolumen auf Polygon?

Polygon wickelt täglich mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar an Stablecoin-Transaktionen ab, das kumulierte Abwicklungsvolumen übersteigt 2,6 Billionen US-Dollar.

F: Was ist Open Money Stack?

Open Money Stack ist die Stablecoin-Zahlungsinfrastruktur von Polygon, die Fiat-On/Off-Ramps, Wallets, Compliance-Tools und On-Chain-Abwicklung in einer einheitlichen API integriert. Unternehmen können damit End-to-End-Stablecoin-Zahlungen über eine einzige Integration abwickeln.

F: Warum ist der PYUSD-Anteil auf Polygon so gering?

Das PYUSD-Angebot auf Polygon macht nur etwa 0,4 % des Gesamtvolumens aus. Dies zeigt, dass das Deployment auf zukünftige Verteilung und Ökosystem-Expansion abzielt – nicht auf die Migration bestehender Transaktionsvolumina.

F: Was sind die neuesten Schritte traditioneller Zahlungsriesen im Stablecoin-Sektor?

Visas Stablecoin-Settlement-Pilotprojekt umfasst inzwischen neun Blockchains, mit einem annualisierten Volumen von rund 7 Milliarden US-Dollar. Mastercard hat die Unterstützung mehrerer Stablecoins, darunter PYUSD, für Settlement über acht Blockchains angekündigt.

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