Die Korrelation von STRC mit Bitcoin erreicht ein Allzeithoch: Warum ist die Fixed-Income-Erzählung von STRC gescheitert?

Märkte
Aktualisiert: 26.06.2026 13:18
  1. Juni 2026: Der 90-Tage-Korrelationskoeffizient zwischen der ewigen Vorzugsaktie STRC von Strategy und Bitcoin stieg auf nahezu 0,70 – der höchste Wert seit Produkteinführung im Juli 2025. Gleichzeitig notierte STRC bei 75,69 US-Dollar, was einem Rückgang von mehr als 24 % gegenüber dem Nennwert von 100 US-Dollar entspricht; das Tagestief lag bei 73,62 US-Dollar – dem niedrigsten Stand seit Emission.

Ein Korrelationskoeffizient von 0,70 bedeutet, dass eine als „quasi festverzinsliches Wertpapier" konzipierte Vorzugsaktie mittlerweile fast 70 % ihrer Kursbewegungen durch die Volatilität von Bitcoin erklärt bekommt. Diese Zahl ist kein statistischer Ausreißer – sie ist das Ergebnis einer dreifachen Resonanz aus Kurs, Vertrauen und Mechanismus und definiert die Risikobewertung von STRC am Markt grundlegend neu.

Wie kam es zum Korrelationssprung?

Von Januar bis Mai 2026 bewegte sich STRC meist nahe am Nennwert von 100 US-Dollar. In diesem Zeitraum lag der 90-Tage-Korrelationskoeffizient mit Bitcoin bei etwa 0,5. Ein Wert von 0,5 signalisiert eine gewisse Richtungsübereinstimmung, lässt aber noch ausreichend Raum für unabhängige Kursentwicklungen – diese Daten bildeten die Grundlage für das Narrativ der „stabilen Erträge".

Im Juni änderte sich die Situation abrupt. Bitcoin verlor in diesem Monat fast 20 % und fiel unter die Marke von 60.000 US-Dollar; STRC folgte diesem Trend und sank um 23 % auf 76 US-Dollar. Beide Werte entwickelten sich nicht nur in dieselbe Richtung, sondern auch in ähnlicher Größenordnung. Der Korrelationskoeffizient sprang von 0,5 auf 0,70 – nicht allmählich, sondern als Signal eines strukturellen Wandels: STRC entwickelt sich von einem „renditeorientierten Bitcoin-Produkt" zu einem „gehebelten Bitcoin-Proxy".

Wie das Produktdesign die Risikotransmission bestimmt

Um diesen Wandel zu verstehen, muss man sich die Produktstruktur von STRC genauer ansehen.

STRC ist die variabel verzinste Serie-A-Vorzugsaktie ohne Laufzeitbegrenzung von Strategy mit einem Nennwert von 100 US-Dollar und monatlicher Barausschüttung. Die aktuelle annualisierte Dividendenrendite beträgt 11,5 %. Der Vorstand passt die Dividendenrate monatlich an, um den Marktpreis in Richtung Nennwert zurückzuführen und die Volatilität zu dämpfen. Liegt der Kurs über 100 US-Dollar, kann das Unternehmen über sogenannte ATM- (At-the-Market-) Emissionen Kapital aufnehmen und mit dem Erlös weitere Bitcoins kaufen.

Die Grundannahme hinter diesem Mechanismus lautet: Der Kurs der STRC schwankt eng um 100 US-Dollar, Anleger erhalten stabile, hohe Erträge, das Unternehmen kommt günstig an frisches Kapital und Bitcoin erfährt kontinuierliche Kaufunterstützung. Diese drei Elemente bilden eine positive Rückkopplungsschleife.

Die Stabilität dieser Schleife beruht jedoch auf einer Voraussetzung – die Preislogik der STRC muss sich ausreichend von derjenigen von Bitcoin unterscheiden. Nähern sich beide an, wird STRC von einem „Ertragsinstrument" zu einer „Bitcoin-Proxy-Position".

Warum das Finanzierungs-Flywheel bei Abschlag ins Stocken gerät

Der Abschlag der STRC hat das Finanzierungsmodell von Strategy direkt untergraben.

Nach dem Produktdesign kann das Unternehmen nur dann wirtschaftlich Kapital über ATM-Emissionen aufnehmen, wenn STRC über dem Nennwert notiert. Bei einem Kurs von 75,69 US-Dollar – einem Abschlag von über 24 % – ist dieser Kanal faktisch geschlossen. Ohne neue STRC-Emissionen gibt es kein frisches Kapital und somit auch keine zusätzlichen Bitcoin-Käufe über dieses Vehikel.

Die Kausalkette ist klar: Bitcoin fällt → STRC folgt und notiert mit Abschlag → ATM-Finanzierung wird unmöglich → Bitcoin-Kaufkraft sinkt → Markterwartungen an institutionelle Bitcoin-Käufe schwinden → Bitcoin gerät weiter unter Druck. Das „Bitcoin-Kauf-Flywheel" von Strategy hat sich von positiver zu negativer Dynamik gewandelt.

Stand Juni 2026 hält Strategy rund 847.000 Bitcoins. Der Wert dieser Bestände lässt sich jedoch nicht direkt in Bargeld für Dividendenauszahlungen umwandeln. Vorzugsdividenden sind feste Barauszahlungen, und die Bitcoin-Reserven des Unternehmens können nicht direkt für Ausschüttungen genutzt werden.

Strukturelle Widersprüche im Cashflow treten zutage

Die annualisierten Dividendenausschüttungen der STRC sind von etwa 300 Millionen US-Dollar zu Jahresbeginn 2026 auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar gestiegen – ein Anstieg um fast das Vierfache. Gleichzeitig schrumpften die Barmittel des Unternehmens im selben Zeitraum um etwa 38 %.

Mit einer jährlichen Dividendenverpflichtung von 1,2 Milliarden US-Dollar reichen die rund 1,4 Milliarden US-Dollar an Barreserven per Juni nur noch für etwa 14 Monate Dividendenauszahlung. Und dieses Polster schmilzt weiter – Strategy hat kürzlich 1,5 Milliarden US-Dollar an wandelbaren Vorzugsanleihen zurückgekauft und damit die für Dividenden verfügbaren Barmittel weiter reduziert.

Ende Mai gab Strategy bekannt, 32 Bitcoins (etwa 2,5 Millionen US-Dollar) zum Zweck der Dividendenauszahlung verkauft zu haben. Dies war der erste Nettoverkauf seit Beginn der Bitcoin-Akkumulation im Jahr 2022. Auch wenn 32 Bitcoins im Vergleich zum Gesamtbestand vernachlässigbar sind, ist das Signal, das von dieser Maßnahme ausgeht, weit bedeutender als der Dollarbetrag: Wenn es die Kapitalstruktur erfordert, wird das Unternehmen auf seine Bitcoin-Reserven zurückgreifen müssen.

Die Marktdiskussion dreht sich um Preismacht

Aktuell gibt es am Markt eine deutliche Meinungsverschiedenheit zur Bewertung der STRC.

Einige Investoren sehen den Abschlag von 24 % als attraktiven Einstiegszeitpunkt. Wer bei 75,69 US-Dollar kauft und eine jährliche Dividende von 11,5 % erhält, kommt auf eine effektive Rendite von etwa 15,2 %. Sollte sich der Markt erholen, profitieren Anleger sowohl von Dividenden als auch von Kursgewinnen.

Andere Investoren befürchten, dass anhaltende Schwäche die Kapitalstruktur von Strategy aushöhlt, die Abhängigkeit von den Bitcoin-Reserven erhöht und die positive Rückkopplung beim aggressiven Bitcoin-Aufbau durchbricht.

Diese Sichtweisen widersprechen sich nicht, sondern beleuchten unterschiedliche Facetten derselben Realität: Die Preismacht der STRC verschiebt sich von der „Nennwert-Verankerung" hin zur „Bitcoin-Volatilität". Der Korrelationskoeffizient von 0,70 ist nicht die Ursache, sondern das Ergebnis – ein quantitatives Abbild der veränderten Risikobewertung durch den Markt.

Korrelation ist nicht das Risiko selbst, sondern macht es sichtbar

Der Anstieg der STRC-Korrelation mit Bitcoin auf 0,70 bedeutet nicht, dass das Produkt „gescheitert" ist. Aus Sicht des Mechanismus funktioniert die variable Dividendenanpassung weiterhin, und es gab keine Zahlungsausfälle.

Doch der Korrelationswert von 0,70 verändert eines: das Risiko-Rendite-Profil der STRC. Für Anleger, die auf feste Erträge setzen, ist das Halten von STRC nun mit einem Marktrisiko verbunden, das eher dem direkten Halten von Bitcoin als klassischen Vorzugsaktien oder Anleihen entspricht. Das Label „stabile Erträge" verliert an Bedeutung – nicht, weil keine Dividenden gezahlt werden, sondern weil die Kursvolatilität nahezu im Gleichschritt mit Bitcoin verläuft.

Diese Veränderung ist strukturell. Sie betrifft nicht nur das Risiko der aktuellen Anleger, sondern verschiebt auch den Bewertungsrahmen für potenzielle Investoren und verändert das Geschäftsmodell, auf das Strategy für die fortlaufende STRC-Finanzierung setzt. Der Anstieg der Korrelation ist ein Signal – dahinter steht die Neuordnung der gesamten Kausalkette.

Zusammenfassung

Die 90-Tage-Korrelation zwischen STRC und Bitcoin ist auf 0,70 gestiegen – den höchsten Wert seit Markteinführung im Juli 2025. Diese Entwicklung ist nicht nur eine Momentaufnahme von Marktschwankungen, sondern Ergebnis von Produktdesign, Preisbildungsmechanismen und Cashflow-Druck. Die steigende Korrelation schwächt die Attraktivität der STRC als Produkt mit stabiler Rendite und rückt die Preislogik näher an Bitcoin heran. Gleichzeitig schneidet der 24%ige Abschlag Strategy vom ATM-Finanzierungskanal ab, die jährlichen Dividendenausschüttungen steigen auf etwa 1,2 Milliarden US-Dollar, während die Barreserven weiter schrumpfen – zusammen entsteht systemischer Druck auf das Geschäftsmodell des „Bitcoin-Kauf-Flywheels". Die Marktdiskussion um die Bewertung der STRC ist letztlich eine Neubewertung ihres Risikoprofils – 0,70 Korrelation ist nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Bewertungsrahmens.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet ein Korrelationskoeffizient von 0,70 zwischen STRC und Bitcoin?

Ein Korrelationskoeffizient von 0,70 zeigt, dass STRC und Bitcoin in hohem Maße gemeinsam schwanken (1,0 steht für eine perfekte positive Korrelation). Für Anleger, die auf stabile Erträge durch die jährliche STRC-Dividende von 11,5 % gesetzt haben, bedeutet das: Das Volatilitätsrisiko der STRC nähert sich dem eines direkten Bitcoin-Investments an und entfernt sich von klassischen, stabilen Vorzugsaktien.

Warum begrenzt der STRC-Abschlag die Bitcoin-Kaufmöglichkeiten von Strategy?

Das Produktdesign der STRC sieht vor, dass das Unternehmen nur dann neue Aktien über ATM-Emissionen ausgeben und den Erlös für weitere Bitcoin-Käufe nutzen kann, wenn der Aktienkurs über dem Nennwert von 100 US-Dollar liegt. Fällt STRC auf 76 US-Dollar – ein Abschlag von 24 % – ist die ATM-Finanzierung wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, was die Möglichkeit zu weiteren Bitcoin-Käufen stark einschränkt.

Signalisiert der Bitcoin-Verkauf von Strategy eine Abkehr von der „Never Sell"-Politik?

Ende Mai 2026 hat Strategy 32 Bitcoins (rund 2,5 Millionen US-Dollar) verkauft, um Dividenden für Vorzugsaktien auszuzahlen – der erste Nettoverkauf seit Beginn der Bitcoin-Akkumulation im Jahr 2022. Auch wenn der Verkauf im Vergleich zum Gesamtbestand von etwa 847.000 Bitcoins gering ist, markiert diese Maßnahme die erste praktische Abweichung von der langjährigen „Never Sell"-Strategie.

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