Was bedeutet der Rückgang des WTI auf 70 US-Dollar? Geopolitische Risiken nehmen ab, doch die makroökonomische Liquidität bleibt angespannt

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Aktualisiert: 26.06.2026 08:23

Am 15. Juni 2026 unterzeichneten die USA und Iran offiziell ein Waffenstillstandsmemorandum und verkündeten die sofortige und dauerhafte Einstellung aller militärischen Handlungen an sämtlichen Fronten, einschließlich des Libanons. In den darauffolgenden 11 Tagen fielen die internationalen Ölpreise drastisch. Brent-Öl sank zeitweise auf 72,06 US-Dollar pro Barrel, unterschritt damit den Schlusskurs vor Ausbruch des Konflikts von 72,48 US-Dollar und verzeichnete einen kumulierten Rückgang von über 39 % gegenüber dem Hoch von 118,35 US-Dollar im März. WTI-Öl schloss bei 71,92 US-Dollar, was einem Rückgang von etwa 36 % gegenüber dem Höchststand entspricht.

Am 26. Juni fielen die WTI-Rohöl-Futures um 2,22 % auf 70,326 US-Dollar pro Barrel, während die Brent-Rohöl-Futures um 2,02 % auf 73,976 US-Dollar pro Barrel nachgaben. Im Tagesverlauf erreichte WTI kurzzeitig 69,760 US-Dollar.

Innerhalb von nur 11 Tagen kehrten die Ölpreise auf das Vorkriegsniveau zurück – deutlich schneller als vom Markt erwartet. Niedrigere Energiekosten, nachlassender Inflationsdruck und geringerer Bewertungsdruck auf Risikoanlagen – auf den ersten Blick deuten diese Faktoren auf eine „Entspannung" hin. Doch diese Annahme steht auf dem Prüfstand: Ist der sichere Transit durch die Straße von Hormus tatsächlich wiederhergestellt? Hat sich der Zinsausblick der US-Notenbank aufgrund der fallenden Ölpreise geändert? Haben sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen für den Kryptomarkt tatsächlich verbessert?

Durch die Analyse geopolitischer Restriktionen, der eigenständigen Logik der Geldpolitik und der Übertragungsmechanismen im Kryptomarkt lässt sich aufschlüsseln, warum die „Illusion der Entspannung" bislang eine unerfüllte Erwartung bleibt.

11 Tage nach dem Waffenstillstand: Ölpreise auf Vorkriegsniveau, aber die Straße ist nicht „sicher"

Nach der Unterzeichnung des Memorandums am 15. Juni begannen die Ölpreise mit einem lehrbuchmäßigen, rasanten Rückgang. Der Markt preiste das Nachlassen geopolitischer Risikoprämien ein – sowohl die USA als auch Iran verpflichteten sich zur Beendigung der Feindseligkeiten, wobei die USA zusagten, den Schiffsverkehr spätestens innerhalb von 30 Tagen wieder vollständig herzustellen.

Allerdings besteht nach wie vor eine erhebliche Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Schifffahrtsdaten und der „vollständigen Wiederherstellung". Laut S&P Global Energy hat sich das durchschnittliche tägliche Schiffsaufkommen durch die Straße von Hormus in diesem Monat auf etwa 57 % des Vorkriegsniveaus erholt. Am 24. Juni passierten 78 Schiffe die Meerenge – ein Tagesrekord seit Ausbruch des Iran-Konflikts. Doch diese Zahl bedarf der Einordnung: 78 ist ein Tageshöchstwert, kein dauerhafter Durchschnitt, und eine durchschnittliche Erholungsrate von 57 % bedeutet, dass weiterhin über 40 % der Kapazität fehlen.

Noch wichtiger ist, dass ein Angriff am 25. Juni die Vorstellung einer nun „sicheren" Straße erschütterte. Das Wall Street Journal berichtete, dass die Islamischen Revolutionsgarden Irans ein unter singapurischer Flagge fahrendes Frachtschiff in der Straße von Hormus angegriffen haben. Das britische Büro für maritime Handelsoperationen meldete, dass ein Frachtschiff etwa 7,5 Seemeilen südöstlich des Ankerplatzes Duqm im Oman von einem unbekannten Flugkörper getroffen wurde, wodurch die Steuerbordseite und die Brücke beschädigt wurden. US-Beamte bestätigten, dass das Schiff von einer Drohne getroffen wurde.

Dieses Ereignis löste eine Kettenreaktion aus. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO), eine UN-Behörde, hatte geplant, über 11.000 gestrandete Seeleute aus der Straße von Hormus zu evakuieren, setzte diesen Plan nach dem Angriff jedoch aus. Die IMO erklärte, das angegriffene Schiff habe sich nicht an den Evakuierungsplan der Organisation gehalten, und man wolle die Aktion aussetzen, um die Gültigkeit der Sicherheitsgarantien neu zu bewerten.

Auch die Position Irans ist bemerkenswert. Am 25. Juni erklärte die Marine der Revolutionsgarden, dass Schiffe beim Passieren der Straße von Hormus mit ihr kooperieren müssten, andernfalls werde gegen sie vorgegangen. Am 26. Juni gab die Persian Gulf Strait Authority bekannt, dass alle Schiffe beim Transit durch die Straße von Hormus festgelegte Routen und Verfahren einhalten müssen. Schiffe, die von den zugewiesenen Routen abweichen, verlieren ihren Anspruch auf Sicherheits- und Versicherungsschutz.

Das im Memorandum gegebene Versprechen, „alle Anstrengungen zur Gewährleistung des freien und sicheren Transits für Handelsschiffe innerhalb von 60 Tagen" zu unternehmen, wurde nach dem Angriff auf eine harte Probe gestellt. Die Reedereien haben allen Grund zur Vorsicht – ein Frachtschiff wurde gerade angegriffen, die IMO hat Evakuierungspläne gestoppt und Iran hat eine klare „auf eigenes Risiko"-Warnung ausgesprochen. Der Waffenstillstand ist fragil, die Navigation erfolgt schrittweise, die Sicherheit ist bedingt. Diese drei Faktoren bilden zusammen die strukturelle Unterstützung, die einen weiteren deutlichen Preisverfall verhindert.

Das Verhalten der Ölpreise bestätigt dies: Obwohl WTI am 26. Juni bei 70,326 US-Dollar schloss, fiel der Preis nach dem kurzfristigen Tief bei 69,760 US-Dollar nicht weiter. Die geopolitische Risikoprämie ist nicht verschwunden, sondern bleibt als „Risikodiscount" im aktuellen Preis eingepreist – der Markt preist eine teilweise Erholung ein, hält aber eine Unsicherheitsprämie aufrecht.

Ölpreise sind gefallen, aber die Inflation nicht – Kern-PCE erreicht Dreijahreshoch

Ein Rückgang der Ölpreise wird üblicherweise als Zeichen für nachlassenden Inflationsdruck und damit als Vorbote geldpolitischer Lockerungen gewertet. Die Makrodaten vom Juni 2026 stellen diese Logik jedoch direkt infrage.

Am 25. Juni meldete das US-Handelsministerium, dass der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsindikator – der Kern-PCE-Preisindex – im Mai gegenüber dem Vorjahr um 3,4 % gestiegen ist, der höchste Wert seit Oktober 2023. Der gesamte PCE-Preisindex legte im Jahresvergleich um 4,1 % zu, der höchste Stand seit April 2023. Der Kern-PCE stieg im Monatsvergleich um 0,3 % und lag damit über den 0,2 % aus dem April.

Vor Veröffentlichung der Daten erwarteten die Märkte bereits einen Anstieg des Kern-PCE auf 3,4 % im Jahresvergleich. Die Bestätigung dieser Erwartung dämpfte die Sorgen jedoch nicht – im Gegenteil, sie verstärkte die restriktiven Signale der Fed nach der Sitzung im Juni.

Die Detailanalyse zeigt: Der Inflationsdruck beschränkt sich längst nicht mehr auf den Energiesektor. Energiebezogene Waren und Dienstleistungen stiegen im Monatsvergleich um 4 % und bleiben damit der größte Treiber. Doch auch die Wohnkosten erhöhten sich um 0,3 %, und die Preise für Finanzdienstleistungen und Versicherungen stiegen um 1,2 % – die Preissteigerungen weiten sich also vom Energiesektor auf breitere Konsumbereiche aus. Wie Analysten betonen, zeigt die gleichzeitige Stärke des Kern-PCE, dass der Preisdruck nicht nur auf kurzfristigen Energieschocks beruht.

Die Fed beließ auf ihrer Juni-Sitzung die Zielspanne für den Leitzins bei 3,50 % bis 3,75 %, betonte jedoch ihr Bekenntnis zum Inflationsziel von 2 %. Die aktuelle Dot-Plot-Prognose zeigt, dass etwa die Hälfte der Fed-Mitglieder mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr erwartet. Die Fed hob ihre Prognose für den Kern-PCE 2026 von 2,7 % auf 3,3 % an und rechnet nun frühestens 2028 mit dem Erreichen des 2 %-Ziels.

Auch die Markterwartungen für Zinserhöhungen sind eindeutig: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September ist auf etwa 48 % gestiegen. Einige Investmentbanken rechnen mit zwei Zinsschritten in diesem Jahr. Goldman Sachs erwartet die erste Anhebung bereits im Juli.

Warum hat der Rückgang der Ölpreise diesen Kurs nicht verändert? Der Hauptgrund ist, dass diese Inflationswelle längst nicht mehr allein von Energiepreisen getrieben wird. Der Anstieg des Kern-PCE spiegelt hartnäckige Dienstleistungspreise, Lohnwachstum und Wohnkosten wider – Faktoren, die deutlich weniger sensibel auf Ölpreise reagieren als der Energiesektor. Solange der Kern-PCE über 3 % bleibt und kein klarer Abwärtstrend erkennbar ist, werden Zinserhöhungserwartungen durch fallende Ölpreise kaum beeinflusst.

Der US-Dollar-Index blieb nach den Daten stark und stieg am 24. Juni auf 101,611 – ein 13-Monats-Hoch. Ein starker Dollar setzt Risikoanlagen zusätzlich unter Druck: Krypto-Assets werden in Dollar bewertet, ein stärkerer Dollar bedeutet höhere Haltekosten und geringere Nachfrage.

Der wahre Zustand des Kryptomarkts: Mehrere Gegenwinde, kein Einzelereignis

Am 26. Juni 2026 notierte Bitcoin bei rund 59.592 US-Dollar, das 24-Stunden-Tief lag bei 59.480 US-Dollar. Im Tagesverlauf fiel der Kurs zeitweise auf etwa 58.200 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von über 52 % gegenüber dem Allzeithoch von 126.223 US-Dollar im Oktober 2025. Auch Ethereum fiel auf rund 1.560 US-Dollar. Der Fear & Greed Index sank auf 18 und damit tief in den Bereich „extremer Angst".

Diese Kursniveaus sind nicht das Ergebnis isolierter geopolitischer Schocks, sondern das Resultat mehrerer struktureller Gegenwinde.

Erstens: Inflation und Zinserwartungen. Der US-Kern-PCE stieg im Mai um 3,4 % im Jahresvergleich – ein fast dreijähriges Hoch. Die Dot-Plot-Prognose der Fed ist deutlich restriktiver geworden, fast die Hälfte der Mitglieder spricht sich für eine Zinserhöhung in diesem Jahr aus. Hohe Zinsen belasten renditelose Krypto-Assets weiterhin – solange die Realzinsen positiv sind und Zinserhöhungserwartungen bestehen, kann das Inflationsschutz-Narrativ von Bitcoin die Haltekosten kaum aufwiegen.

Zweitens: Die Korrelation mit US-Aktien. Die asiatischen Aktienmärkte brachen am frühen Freitag deutlich ein – der südkoreanische Kospi verlor über 8 % und löste eine Handelsunterbrechung aus, der japanische Nikkei 225 fiel um 4,9 %, der Hang Seng Index in Hongkong gab um 2,3 % nach. Analysten stellten fest, dass Bitcoin während der asiatischen Handelszeiten im Gleichklang mit den Aktienmärkten fiel, ausgelöst durch einen breiten Abverkauf von Risikoanlagen. Kapitalabflüsse aus Technologiewerten schlugen direkt auf den Kryptomarkt durch – beide bedienen denselben Pool risikofreudigen Kapitals.

Drittens: Anhaltende institutionelle Abflüsse. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Donnerstag Nettoabflüsse von 696,3 Millionen US-Dollar – der größte Tagesabfluss seit dem 27. Mai und die sechste negative Handelsperiode in Folge. Die STRC-Vorzugsaktien der Strategy Company fielen auf ein Rekordtief, zwischenzeitlich um bis zu 26 % unter den Nennwert von 100 US-Dollar, und die Stammaktien erreichten den tiefsten Stand seit Februar 2024. Analysten sehen in Strategy weiterhin eine Quelle von Marktunsicherheit und stellen die Nachhaltigkeit von Dividenden und Geschäftsmodell infrage.

Viertens: Eine Kaskade im Derivatemarkt. In den frühen Handelsstunden am 26. Juni kam es zu einem breiten Abverkauf am Kryptomarkt, BTC rutschte vom Hoch bei 67.203 US-Dollar am 16. Juni auf ein Tief von 58.188 US-Dollar. Innerhalb von 24 Stunden summierten sich die Liquidationen auf 887 Millionen US-Dollar. Andere Daten sprechen von etwa 972 Millionen US-Dollar, wobei Long-Liquidationen 774 Millionen US-Dollar ausmachten. Eine konzentrierte Long-Seite-Exitwelle, kombiniert mit ETF-Abflüssen und institutionellen Verkäufen, hat das frische Kapital vollständig ausgetrocknet.

Die Übertragung von fallenden Ölpreisen auf den Kryptomarkt erfolgt nicht direkt, sondern über die indirekte Kette „Inflationserwartungen → Zinserwartungen → Bewertung von Risikoanlagen". Der aktuelle Stand dieser Kette: Die Ölpreise sind gefallen, die Kerninflation jedoch nicht; Zinserhöhungserwartungen bleiben bestehen; US-Aktienmärkte sind nicht stabilisiert; Institutionen sind nicht zurückgekehrt. Das makroökonomische Umfeld für den Kryptomarkt hat sich durch die niedrigeren Ölpreise nicht spürbar verbessert.

Von Ölpreisen zu Krypto-Assets: Strukturelle Übertragungsmechanismen

Gibt es eine stabile Korrelation zwischen Ölpreisen und Krypto-Assets? Historische Daten sprechen gegen eine einfache lineare Beziehung.

Während des durch Energie getriebenen Cross-Asset-Abverkaufs im März 2026 fiel Bitcoin in den mittleren 60.000er-Bereich. Ölpreisanstiege während des Konflikts gingen mit Rückgängen bei Krypto einher – beide entwickelten sich im Rahmen des „Abverkaufs von Risikoanlagen" in die gleiche Richtung. Bedeutet ein Rückgang der Ölpreise nun das Gegenteil? Die Antwort ist keineswegs eindeutig.

Der entscheidende Faktor sind nicht die Ölpreise selbst, sondern die geldpolitische Reaktion und die Veränderung der Risikobereitschaft, die durch Ölpreisschwankungen ausgelöst werden. Das Kernproblem derzeit: Der Rückgang der Ölpreise hat bislang keine geldpolitische Lockerung bewirkt. Die Fed konzentriert sich auf die anhaltende Kerninflation – solange der Kern-PCE über 3 % bleibt und kein klarer Abwärtstrend erkennbar ist, werden Zinserhöhungserwartungen kaum revidiert.

Ein weiterer Faktor ist der Lagerdruck, der eine Preisumkehr auslösen könnte. In der vergangenen Woche fielen die US-Lagerbestände in Cushing auf 19 Millionen Barrel, etwa 1 Million Barrel unter dem für die Systemstabilität erforderlichen Niveau. TD Securities schätzt, dass die Welt bis Oktober weitere 600 Millionen Barrel abbauen muss; sollten die Bestände unter kritische Schwellenwerte fallen, könnten die Ölpreise rasch wieder steigen. Analysten von Mizuho Securities halten den Markt bereits für „überverkauft" und erwarten in den kommenden Wochen eine Rückkehr der Ölpreise in den Bereich von 80 US-Dollar.

Das bedeutet: Das sogenannte „Fenster der Entspannung" könnte sich schließen, bevor es sich überhaupt öffnet. Für Akteure am Kryptomarkt sollte der Fokus daher weniger auf täglichen Ölpreisschwankungen liegen als vielmehr auf drei entscheidenden Variablen: Ob die Straße von Hormus innerhalb des 60-Tage-Verhandlungsfensters dauerhaft und sicher passierbar bleibt; ob der Kern-PCE einen Abwärtstrend zeigt und damit den geldpolitischen Kurs der Fed beeinflusst; und ob sich US-Technologiewerte stabilisieren und damit Kapitalzuflüsse in Risikoanlagen wiederherstellen.

Fazit

Elf Tage nach dem US-Iran-Waffenstillstandsabkommen sind die Ölpreise auf das Vorkriegsniveau zurückgekehrt – WTI schloss bei 70,326 US-Dollar, das Tagestief lag bei 69,760 US-Dollar. Doch ein Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus, die Aussetzung der IMO-Evakuierungspläne und eine Schifffahrtserholung von nur 57 % bilden zusammen reale Angebotsrestriktionen. Gleichzeitig ist der Kern-PCE auf 3,4 % gestiegen, ein Dreijahreshoch; die Zinserwartungen der Fed bleiben trotz fallender Ölpreise unverändert; ein starker Dollar und schwache US-Aktien belasten weiterhin die Bewertung von Risikoanlagen.

Der Rückgang von Bitcoin unter 59.000 US-Dollar und der Absturz von Ethereum auf 1.560 US-Dollar sind das Resultat mehrerer makroökonomischer, liquiditätsbezogener und technischer Gegenwinde – und nicht einfach die Folge eines einzelnen geopolitischen Faktors. Die „Illusion der Entspannung" bleibt eine Illusion, weil echte Entspannung – sei es ein wirklich sicherer Transit durch die Straße von Hormus oder ein Richtungswechsel in der Geldpolitik – bislang ausgeblieben ist.

Für Akteure am Kryptomarkt ist weniger als ein Sechstel des 60-Tage-Verhandlungsfensters verstrichen. Solange die Sicherheitslage in der Straße von Hormus, der Trend der Kerninflation und der geldpolitische Kurs der Fed nicht klar sind, bleibt „Entspannung" eher eine unerfüllte Erwartung als eine Realität.

FAQ

F: Warum sind die Ölpreise nach dem US-Iran-Waffenstillstandsabkommen nicht weiter gefallen?

Nach dem Waffenstillstandsabkommen fielen die Ölpreise innerhalb von 11 Tagen rasch auf das Vorkriegsniveau zurück. Am 25. Juni wurde jedoch ein Frachtschiff unter singapurischer Flagge in der Straße von Hormus angegriffen, und die IMO setzte die Evakuierung von 11.000 Seeleuten aus. Die Schifffahrt hat sich erst zu 57 % des Vorkriegsniveaus erholt. Die geopolitische Risikoprämie ist nicht vollständig verschwunden, und die Ölpreise finden bei etwa 70 US-Dollar Unterstützung.

F: Warum hat der Rückgang der Ölpreise keinen Bitcoin-Aufschwung ausgelöst?

Bitcoin steht derzeit unter dem Druck mehrerer makroökonomischer Gegenwinde: Der US-Kern-PCE stieg im Mai im Jahresvergleich auf 3,4 % und damit auf ein Dreijahreshoch; fast die Hälfte der Fed-Mitglieder befürwortet eine Zinserhöhung in diesem Jahr; US- und asiatische Aktienmärkte sind eingebrochen; Spot-ETFs verzeichneten einen Tages-Nettoabfluss von 696,3 Millionen US-Dollar; und institutionelle Investoren reduzieren weiter ihr Engagement. Der Rückgang der Ölpreise hat den geldpolitischen Ausblick der Fed bisher nicht verändert.

F: Wie lange dauert es, bis die Straße von Hormus wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet ist?

Das Memorandum verpflichtet die USA, den Schiffsverkehr spätestens innerhalb von 30 Tagen vollständig wiederherzustellen. Nach dem Angriff am 25. Juni hat die IMO jedoch die Evakuierungspläne ausgesetzt. Das aktuelle tägliche Verkehrsaufkommen liegt erst bei 57 % des Vorkriegsniveaus. Die Reedereien bleiben wegen Sicherheitsbedenken vorsichtig, sodass der tatsächliche Zeitplan für eine vollständige Erholung äußerst unsicher ist.

F: Unter welchen Bedingungen könnte die Fed ihre Haltung zu Zinserhöhungen ändern?

Die Fed konzentriert sich auf die Persistenz der Kerninflation, nicht auf kurzfristige Ölpreisschwankungen. Solange der Kern-PCE über 3 % bleibt und Dienstleistungspreise sowie Lohnwachstum hoch sind, ist eine Umkehr der Zinserwartungen unwahrscheinlich. Die Ölpreise müssten über einen längeren Zeitraum niedrig bleiben und sich auf die Kerninflationskomponenten auswirken, bevor dies den geldpolitischen Kurs der Fed beeinflussen könnte.

F: Wo liegt derzeit der Boden für den Kryptomarkt?

Die entscheidende Unterstützung für Bitcoin liegt im Bereich von 58.400–58.500 US-Dollar. Analysten weisen darauf hin, dass bei einem Widerstand von 60.000 US-Dollar Händler auf die strukturelle Unterstützungszone von 54.000–56.000 US-Dollar achten könnten. Die Schlüsselunterstützung für Ethereum liegt bei etwa 1.530 US-Dollar. Der Markt befindet sich derzeit in einer bärischen Struktur, mit schwachen Erholungen und keinem Trendwechsel im mittelfristigen Bild.

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